Mongolei in der Mark

 

Mongolei in der Mark

Waßmannsdorfer feiern am Sonnabend mit Reitern, Ringern und Bogenschützen

WAssMANNSDORF/ROTBERG - Sie arbeitete in einem Maschinenbaubetrieb am Flughafen ihrer Hauptstadt Ulan-Bator. Er war bei einem Spediteur angestellt, der einen Trans-port für die deutsche Botschaft in der Mongolei organisierte. Als sie sich trafen, geschah das menschlichste aller Wunder.

„Die Liebe hat mich nach Deutschland gebracht“, sagt die schöne Mongolin, die noch in ihrer Heimat den Namen Neuhaus annahm. Seit 2008 lebt sie in Rotberg. „Mein Vermieter erzählte mir gleich, dass der Bürgermeister hier mongolisch spricht“, erinnert sie sich. Glauben konnte sie das nicht. „Ich habe dann bei Herrn Haase angerufen und sofort in meiner Muttersprache losgelegt“, sagt sie. Der Vermieter hatte Recht. Schönefelds Rathaus-chef hatte keine Mühe zu antworten. Der studierte Asienwissenschaftler war früher auch als Dolmetscher für das Mongolische tätig.

Heute freut sich Enhbold Neuhaus, zu den mongolisch-schönefelder Kontakten, die bereits Ende der 70er Jahre mit Treffen von Vertretern landwirtschaftlicher Betriebe begannen, auf dem deutsch-mongolischen Volksfest am Sonnabend in Waßmannsdorf ihren Teil beitragen zu können. Nicht nur, dass sie eine Jurte, die traditionelle Behausung ihrer Landsleute, zur Verfügung stellt. Sie vermittelte einen Auftritt der Gruppe „Huch mongol“. Unter dem Namen „Blaue Mongolei“ haben sich zwei Paare zusammengefunden, die tanzen, Pferdekopfgeige spielen und Kehlkopfgesang erklingen lassen.

Rockige Klänge steuert auf dem Festplatz hinter dem Waßmannsdorfer Haus der Begegnung die aus Berlinern und einem Kiekebuscher gebildete Band „No fences“ bei. Bildlichen kulturellen Genuss verspricht Mario Bandis Film „Ein Löwe im Reigen der Götter“, in dem ein Theater-Requisiteur Geistern und Göttern, Mysterien und Masken begegnet.

„Außerdem gibt es noch etwas anderes ganz Tolles zu sehen“, kündigt Udo Haase an, der das bereits zehnte derartige Fest gemeinsam mit Waßmannsdorfs Ortsvorsteher Michael Smolinski vorbereitete. „Hans-Georg Springer hat eine hervorragende DVD über den jüngsten Mongolei-Besuch produziert.“ Der Großziethener leitete vor wenigen Wochen eine Delegation der Großgemeinde. Zu ihr gehörte auch Hotelier Willi Belger, der in Erinnerung an die langjährigen Beziehungen und die ausgerechnet im Partnerland erfolgte Gründung des Großziethener Scheunenchores vor der dortigen Humboldt-Schule eine 2,50 Meter hohe Säule errichten ließ.

Zum Waßmannsdorfer Freundschaftsfest wird nun Gegenbesuch erwartet. Luvsandash Amgalan, die Bürgermeisterin von Bayangol, dem Stadtbezirk Ulan-Bators, nach dem Schönefeld einen Park in einem künftigen Wohngebiet benannte, will kommen wie auch der Vorsitzende des Stadtbezirk-Parlamentes, Dagva Demebereldash, und Botschafter Baldorjiin Daavaadorj. Auch einige der deutschen Geologen sind dabei, die der damaligen Volksrepublik bei der Erschließung ihrer Goldvorkommen und anderer Bodenschätze halfen. Interessenten können bei ihnen Bücher erwerben.

Wenn Ringer sich in die Knie zwingen, Bogenschützen anlegen oder Pferde mit Reitern auf ihrem Rücken galoppieren, ist ihnen das Interesse des Publikums gewiss. Gebucht sind die Keidel-Ranch aus Selchow und die Reitschule Kassai aus Oranienburg. Aarz, ein mongolischer Käse, und Boorzog, ein Hartgebäck, dem Tee eine zahnfreundliche Konsistenz verleiht, machen der deutschen Bratwurst Konkurrenz.

„Es wird bestimmt schön werden“, sagt Mongolei-Freund Haase voraus. „Peinlich war mir nur, in den vor längerer Zeit versandten Einladungen zur Anreise auf den S-Bahnhof Waßmansdorf verwiesen zu haben.“ Der wurde wegen der Flughafen-Verspätung noch nicht eröffnet. Als Ausgleich richtet der Busbetrieb RVS einen halbstündlichen Pendelverkehr vom Bahnhof Schönefeld ein.

Einen Stand auf dem Festgelände hat auch Enhbold Neuhaus. Sie verkauft Textilien aus Kaschmir, Yakwolle und Kamelhaar, die ihre Schwester, eine Designerin, in der Mongolei anfertigt. „Diese hochwertigen Stoffe sind dauerhaft, hautfreundlich, feuchtigkeits- und geruchsabweisend“, hebt die Geschäftsfrau hervor, die 2005 ihr Unternehmen „Kaschmir & mehr“ gründete. Den Festbesuchern gewährt sie einen Rabatt von 15 Prozent.

Dieses Angebot haben die Schönefelder der Ignoranz ihres Mannes zu verdanken. „Ich hatte ihm Kaschmir-Pullover besorgt. Aber er trug sie nicht, da ihm die Kragen und Ausschnitte nicht gefielen“, berichtet sie. „Nachdem sie drei Jahre lang im Schrank lagen, kam ich auf die Idee, Produkte wie diese auf Märkten zu vertreiben.“

Das Fest beginnt am Sonnabend um 14 Uhr. (Von Klaus Bischoff)

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12361182/62129/Wassmannsdorfer-feiern-am-Sonnabend-mit-Reitern-Ringern-und.html

 

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