EM-Fieber in der Mongolei - bis spät in die Nacht

Ulan Bator (dpa) - Nachts um halb drei liegt die mongolischeHauptstadt im Dunkeln. Nur wenige Autos brausen noch die Peace Avenue entlang, die Hauptverkehrsader von Ulan Bator. Eigentlich ist von Mitternacht an Sperrstunde, doch in einem Pub im Zentrum brennt noch Licht.
Einige Kneipen haben für die Fußball-EM eine Sondergenehmigung bekommen, übertragen die Spiele live und haben deshalb länger geöffnet. Im Inneren sind alle Tische belegt, Bier und Wodkaflaschen stehen darauf. Die Besucher, fast ausschließlich Mongolen - auch ein gutes Drittel Frauen darunter - schauen gebannt auf die Bildschirme, die überall an den Wänden angebracht sind.
Die Mongolen sind fußballverrückt; beim Einlauf der Mannschaften bricht ein Klatschen und Grölen los, als läge dieser Pub irgendwo im fußballverrückten Spanien oder Deutschland. Das Publikum hier jubelt meist geteilt. Auch das deutsche Team wird regelmäßig angefeuert. Sandagsuren Samdangeleg ist zum Beispiel Deutschland-Fan. «Natürlich», sagt er in fast fehlerfreiem Deutsch. «Mein Leben ist schon seit 2000 mit Deutschland verbunden.»
Der 34-jährige ist Stabsoffizier in der mongolischen Armee und hat einen Teil seiner Ausbildung in Hamburg absolviert. Die Bundeswehr unterhält ein Austauschprogramm mit der Mongolei. Viele Mongolen haben an deutschen Unis studiert. Zur DDR-Zeit galt die ebenfalls sozialistische Mongolei als Bruderland. Nach dem demokratischen Umbruch beider Staaten bestand der Austausch fort. Rund 35 000 Mongolen sprechen heute deutsch.
Namral Lhagvajav, ein kleiner schlanker Mann mit runder Brille und ordentlich gekämmtem Seitenscheitel, hat bereits zu DDR-Zeiten in Deutschland studiert. Der 64-Jährige pensionierte Lebensmittelingenieur sitzt mit seinem Sohn Erdenebileg und zwei deutschen Freunden direkt vor einem großen Bildschirm. Die Stimmung ist gut, die Runde prostet sich mit importiertem Bier zu. «Natürlich, wir werden alle Spiele sehen», sagt Lhagvajav. «Bis zum ersten Juli werden wir wenig schlafen.»
Major Samdangeleg trägt sogar ein Deutschlandtrikot von der Fußball-WM 2006. «Ich habe die Spiele in Köln geschaut, auf dem Platz vor dem Dom, das war klasse, aber im Halbfinale haben wir ja leider verloren.» - «Wir» sagt er.
Doch nicht nur die deutsche Mannschaft hat Fans in der Mongolei. Viele hier verfolgen die Englische Premier League und halten daher bei der EM zu England. Bereits beim Champions-League-Finale vor einigen Wochen konnte man ihre Begeisterung erleben. Auch da boten einige Bars in der Innenstadt Public-Viewing an. Und während die Bayern-Fans nach dem Debakel morgens um kurz vor sechs geknickt nach Hause schlichen, feierten die mongolischen Chelsea-Anhänger mit Jubelgesängen und einem kleinen Autokorso.
Besonders bei den späten Spielen der EM brauchen die Fußball-Anhänger in der Mongolei ordentlich Stehvermögen. Erst um halb fünf Uhr morgens Ortszeit gehen die Begegnungen zu Ende. Da stehen die Kellner meist müde in der Ecke. Draußen geht gerade die Sonne auf.
Eingefügt aus <http://de.eurosport.yahoo.com/news/em-fieber-der-mongolei-bis-121332231.html>
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