Pferdegetrappel in der Kirche
28.05.2012 | 15:15 Uhr
„Transmongolia“ sorgte für Takte und Melodien, die das Publikum in der Langenberger Eventkirche mitrissen. Foto Fritz Baum

Langenberg.Hochsteppe, Taiga und Wüste hielten Einzug in die Eventkirche in Langenberg. Mehr als 100 Besucher lauschten Klängen von mongolischen Pferdekopfgeigen, Obertonflöte, Bassgeige, Trommel und vor allem dem von Oberton- und Kehlkopfgesang. „Man muss sich öffnen und einlassen können“, dazu forderte Karl-Wilhelm Wilkesmann auf. Und schon nahmen Hosoo, Shagai, Dashka und Amaraa, bekannt unter dem Namen TransMongolia, die Zuhörer mit auf eine Reise in die ferne Mongolei.
Pferdegewieher und trauriges Wolfsgeheul, schnelle und langsame Weisen, ohne Worte und dadurch umso aussagekräftiger. Hatte man eher mit meditativen, weitestgehend rhythmusfreien Klängen gerechnet, so nahmen Dynamik und Tempo die erste Hälfte des Konzertes ein. Pferde trappelten über die Steppe, leises Donnergrollen erklang, ein Urwald voller Vögel war zu hören, drumherum Melodien und Takte, die mitrissen.
„Kennt jemand Mutter Oulun?“ fragte Hosoo, Leiter und Sprecher von „Transmongolia“, die Zuhörer. Viele schüttelten die Köpfe. „Kennt jemand Dschingis Khan?“, ja, den kannten viele. „Oulun ist seine Mutter.“ Eine tragende, melodiöse Weise erklang. Ganz klar und rein bildete sich darüber der Oberton und führte durch das Stück. Dann wurden Taiga und Wüste Gobi besungen, die Heimat, alte Gewohnheiten und das Echo im Altai-Gletscher. Die innere Verbundenheit zum Land und seinen Tieren war überall spür- und hörbar. Volksweisen und Eigenkompositionen wechselten sich ab und gestalteten ein breites Spektrum.
Zwischen den einzelnen Stücken erklärte Hosoo, wie manch ein Titel entstanden war, aber vor allem brachte er den Gästen die Musik näher: „Oberton ist kein Stimmwunder, es ist ein Atemwunder.“ Er sang einen einzelnen Grundton, formte dazu in der Mundhöhle den Oberton und schaffte es, einen dritten Ton durch Zusammenpressen seiner Stimmbänder zu erzeugen. Dabei zeigte er mit den Händen an, was bei ihm passierte, demonstrierte mit dem Bauch, wo, wann und wie Luft die Vibrationen erzeugt. Stefanie Wisbar-Simmerling war ganz angetan. „Unsere westliche Musik spürt man hier“, und deutete auf den Brustkorb, „und diese Musik ist hier“, ließ sie ihre Hände über und um den Kopf kreisen. Willi Finkenrath, selbst Obertonlehrer in Langenberg, war begeistert. „Der stimmliche Kontakt, die Nähe, die Hosoo zum Publikum aufgebaut hat, gefällt mir ganz besonders.“ Walli aus Langenfeld war ganz entspannt: „Die Einheit von Musik, Natur und Menschen hat mich sehr berührt.“
Die Zuhörer belohnten die Leistung mit Applaus, Begeisterungsrufen und Spenden. Viele kamen von außerhalb, aus Essen, Leverkusen und Köln. Es wären noch mehr gewesen, doch erst kurzfristig hatten Musikgruppe und Eventkirche zusammengefunden. Auch Stefanie Wisbar-Simmerling bedauerte, dass viele ihrer Kollegen schon anderweitig verplant waren. Vielleicht klappt es im nächsten Jahr.
Almuth Farer
Eingefügt aus <http://www.derwesten.de/staedte/velbert/pferdegetrappel-in-der-kirche-id6701097.html>















