«Die Mongolei lehrte mich Respekt»

Auf Müllsammeltour: Die Schulkinder helfen mit, die Wüste sauber zu halten. (Bild: Duc Tuan Nguyen)
Zwei Monate verbrachte der Amriswiler Duc Tuan Nguyen in der Mongolei. Dort unterrichtete er an der Schule in dem kleinen Ort Jargalant Englisch. Zurück in Amriswil, erzählt Nguyen von seinen Eindrücken und den Unterschieden zwischen der Mongolei und der Schweiz.
RITA KOHN
AMRISWIL. Duc Tuan Nguyen hat sich einen Traum erfüllt. Er unterrichtete an einer Schule in Asien. Allerdings hatte er dabei eher an andere Länder als gerade die Mongolei gedacht. «Zur Stelle in der Mongolei kam ich per Zufall», sagt der junge Amriswiler. Bei der Bilderausstellung seiner Schwester über ein SOS-Kinderdorf in Vietnam lernte Nguyen die Thurgauerin Anita Fahrni kennen. Sie vermittelt schon seit vielen Jahren Lehrkräfte in die Mongolei und mongolische Lehrkräfte in die Schweiz.
Über Anita Fahrni verpflichtete sich Duc Tuan Nguyen, zwei Monate an einer Schule in Jargalant zu unterrichten. «Ich sollte dafür 200 bis 300 US-Dollar bekommen sowie freie Unterkunft und Verpflegung.» Mit dem Lohn habe es dann aber nicht geklappt. Dafür mit der Unterkunft und Verpflegung an der Schule, an der er unterrichtete.
Hohes Niveau
Der 21jährige Amriswiler Maturand wusste nicht viel von der Mongolei, als er in Jargalant ankam – einem Ort von der Grösse vergleichbar mit Oberaach. Rund 50 Kinder bis 18 Jahre wohnen in der Schule selber, weil sie von ausserhalb des Ortes kommen und der Heimweg zu weit wäre. In dieser Unterkunft war auch Duc Tuan Nguyen untergebracht.
Er habe über das hohe schulische Niveau der mongolischen Kinder gestaunt, sagt der Amriswiler rückblickend. «In Fächern wie Mathematik, Physik, Russisch und Mongolisch sind sie sehr gut ausgebildet.» Anders im Fach Englisch. «Da fehlt ihnen die Übung, sie können kaum mit jemandem Englisch sprechen.» In den zwei Monaten, die er in der Mongolei verbrachte, versuchte Nguyen, mit seinen Schülerinnen und Schülern nicht nur Grammatik, sondern auch Sprachempfinden zu üben. «Natürlich war die Zeit viel zu kurz, um wirklich einen Erfolg zu spüren. Ich glaube nicht, dass meine Arbeit viel gebracht hat.»
Gute Erfahrung
Zurück in der Schweiz weiss Duc Tuan Nguyen, dass er nicht noch mal in der Mongolei vor einer Klasse stehen möchte. «Es hat Spass gemacht und es war eine gute Erfahrung», sagt er. Dennoch würde er dieses Abenteuer nicht noch mal in Angriff nehmen. Das auch, weil es ihm schwerfiel, die Klasse im Griff zu haben. «Es gab Tage, da war ich regelrecht heiser.»
Die Zeit in der Mongolei habe bei ihm auch den Respekt vor der Arbeit der Lehrer steigen lassen. Er habe sich das alles etwas anders vorgestellt, als er zu diesem Job Ja sagte. «Ich stehe gerne vor den Leuten und rede», sagt er ohne falsche Bescheidenheit. «Und Englisch liegt mir sehr. Ich arbeite auch gerne in dieser Sprache.» Aber als Lehrer möchte er dennoch nicht arbeiten.
An die Uni nach Zürich
Noch ist sich der junge Amriswiler nicht ganz im klaren, wohin sein Weg geht. «Im Herbst werde ich an der Uni in Zürich ein Studium in Publizistik und Kommunikationswissenschaft beginnen», sagt er.
Allerdings liebäugelt Duc Tuan Nguyen mit einer ganz anderen Art von Karriere: «Ich stehe unheimlich gerne auf der Bühne», bekennt er. Schon seit Jahren spielt er in einer Band. Diese nennt sich K.R.A.B. «Früher hiess sie ol'Attidue, aber der Name war nicht ganz glücklich gewählt.» Derzeit würde die Band ein Demoband aufnehmen, um sich besser präsentieren zu können.
Kultur kennengelernt
Auch wenn nicht alles so geklappt hat wie geplant, ist Duc Tuan Nguyen doch froh über seine Zeit in der Mongolei. Er habe die Kultur der Mongolen kennen- gelernt, sagt er. In einigem habe er sich ihr nahe gefühlt, so etwa bei der Religion. Selber habe er Wurzeln in Laos und Vietnam, und so stamme er auch aus einer buddhistischen Familie, wenn auch mit thailändischer Prägung. «Der Buddhismus in der Mongolei hat eine tibetische Prägung. Er hat mich sehr fasziniert», sagt der Amriswiler.
Erstaunt habe ihn das – im Verhältnis zum Einkommen – hohe Preisniveau. «Es lehrt einen, unsere Lebensweise zu hinterfragen.» Die Mongolen seien nicht dieselbe Verbrauchergesellschaft wie die Europäer. «Sie gehen nicht so verschwenderisch um mit Ressourcen wie wir. Duschen ist beispielsweise ein Luxus, die Leute waschen sich.» Er habe die Menschen in der Mongolei als sehr zuvorkommend erlebt.
Quelle: http://www.thurgauerzeitung.ch/ostschweiz/thurgau/amriswil/tz-am/-Die-Mongolei-lehrte-mich-Respekt;art123844,3050061














