Goldgräberstimmung in der Mongolei
Von: Georg Fahrion
In dem zentralasiatischen Land läuft ein einzigartiges Rennen um Rohstoffe. Ausgerechnet in der mongolischen Wüste genießen Deutsche einen Heimvorteil.
In der Luft von Ulan-Bator kann man den Reichtum der Mongolei riechen. Jeden Abend wabert der Geruch durch die Straßen der Hauptstadt, er fließt herab aus den armen Vierteln auf den Hügeln am Stadtrand. Dort leben die Menschen in Jurten, in ihren Öfen verheizen sie den sattschwarzen Schatz des Landes: Kohle.
Der Geruch lockt Unternehmer aus aller Welt nach Zentralasien. "Im Vergleich zu dem, was ich in den vergangenen 14 Jahren erlebt habe, ist in den letzten 18 Monaten ein regelrechter Ansturm von Investoren ausgebrochen", sagt Laurenz Melchers, ein Pionier der deutschen Geschäftswelt in der Mongolei.
Kein Wunder. Das riesige Land mit seinen nur 2,8 Millionen Einwohnern erlebt gerade eine Bonanza ohne Beispiel. Der Grund des Booms sind seine Bodenschätze. Die Liste der Rohstoffe liest sich wie das Periodensystem: Gold, Silber, Molybdän, Uran, Wolfram. Kupfer gibt es in rauen Mengen, und sogar seltene Erden sind hier zu finden. Dazu Öl, Gas und viel Kohle, ohne Ende Kohle.
Es ist kein Zufall, dass es gerade jetzt losgeht. Viele Vorkommen liegen schwer zugänglich in der Wüste Gobi. Lange rechnete es sich einfach nicht, sie auszubeuten. Erst der dauerhafte Anstieg der Weltmarktpreise hat das geändert. Deshalb laufen jetzt so viele Projekte mit hohen Investitionsvolumen an, geht die Wirtschaft des Landes durch die Decke: Allein 2011 wuchs sie um geschätzt 11,5 Prozent. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert, dass es nun so weitergehen wird. Das führt zu mehr Wohlstand: Die noch kleine Mittelschicht wird jetzt größer und kaufkräftiger.
"Wir dachten, Deutsche und Autos, das geht immer"
Hier, am zentralen Sükhbaatar-Platz in der Hauptstadt Ulan-Bator, lässt sich der neue Reichtum besichtigen. Hinter dem Denkmal des Befreiungshelden Sükhbaatar ragt der Blue Sky Tower in den Himmel wie ein Segel aus Stahl und Glas. Während betuchte Mongolen in den Boutiquen von Louis Vuitton und Ermenegildo Zegna shoppen, brausen um den Platz überraschend viele Mercedes-Limousinen.
Wer in der Mongolei einen Daimler fährt, hat ihn bei Laurenz Melchers gekauft. Der Bremer entstammt einer alten Kaufmannsdynastie, doch er wollte etwas Eigenes aufbauen. Also ging er in die Mongolei, mit seiner Freundin, etwas Startkapital und keiner genauen Vorstellung, was er dort eigentlich machen wollte.
Es wurde schließlich eine Autowerkstatt. "Wir dachten, Deutsche und Autos, das geht immer", sagt Melchers. Kürzlich eröffnete er einen ganz neuen Showroom voll glänzender Karossen. Sein Handelsunternehmen Mongolian Star Melchers (MSM) repräsentiert deutsche und amerikanische Automarken und Konzerne wie Johnson & Johnson, Moët Hennessy, Bosch oder BASF. Es wird einfach so viel gebraucht in diesem riesigen Land.
Mit dem Boom des Bergbaus steigt die Nachfrage. "Abends saß man mit den Jungs an der Bar und fragte: Mensch, was braucht ihr denn?", erzählt Melchers. Die Jungs brauchen Baumaterial und Helme, Bohrköpfe und Trucks, und wie viele Mongolen trinken sie gern das eine oder andere Glas, daher der Hennessy-Cognac. "Okay, holen wir rein!", sagte Melchers, der mittlerweile 60 Prozent des in den Bars der Hauptstadt verkauften Alkohols importiert.
Bonanza, Glücksritter, Goldgräberstimmung. Beinahe fühlt es sich an wie im Wilden Westen. "In der Mongolei kann man sein Risiko nie völlig abschätzen", sagt Melchers. "Dies ist ein Land im Umbruch und im Aufbau, und das Rechtssystem ist im gleichen Zustand." Mut werde dafür höher belohnt. Entscheidend für Erfolg sei die Bereitschaft, sich ins kalte Wasser zu stürzen. So wie es der Schwabe Klaus Bader tat, der erst eine Brauerei in Ulan-Bator gründete, dann das Konzept des Biergartens im Land etablierte und schließlich ein Luxushotel hochzog.
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