Ausstellung "Steppenkrieger"
Ausstellung "Steppenkrieger" im LandesMuseum Bonn
Das LVR-LandesMuseum Bonn präsentiert neue Funde aus dem Leben der mongolischen Reiternomaden. Darunter einmalige Kleidungsstücke.
Die Sonderausstellung „Steppenkrieger. Reiternomaden des 7. - 14. Jahrhunderts aus der Mongolei“ zeigt das LandesMuseum Bonn des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) vom 26. Januar 2012 bis 29. April 2012. Gezeigt werden die Waffen, Ausrüstung und Kleidung der Nomaden. Dadurch wird ein tiefer Einblick in das Leben der Steppennomaden, die immer wieder die mitteleuropäische Geschichte mit beeinflussten, geboten.
Die Ausstellung
Die Objekte der Ausstellung stammen vor allem aus archäologischen Untersuchungen von Felshöhlen in der Mongolei. Die wurden im Rahmen eines deutsch-mongolischen internationalen Forschungsprojektes untersucht, das Prof. Dr. Jan Bemmann von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zusammen mit seinem mongolischen Kollegen Tsagaan Törbat leitete. Dazu Jan Bemmann: „In dem trocken-kalten Klima auf 1800 bis 3000 Meter und in den Felshöhlen vor Regen, Schnee und Sonne gut geschützt haben sich diese Objekte ungewöhnlich gut erhalten“
Michael Schmauder vom LandesMuseum des LVR schwärmt: „Die Ausstellung ‚Steppenkrieger. Reiternomaden des 7. - 14. Jahrhunderts aus der Mongolei’ ist aufgrund der noch nie gezeigten und außerordentlich gut erhaltenen einzigartigen Neufunden aus der Mongolei eine wirkliche Sensation. Das belegen nicht zuletzt die Textilobjekte.“
Kleidungstücke in der Ausstellung
Textilien aus der Vergangenheit sind rar. Bereits kleine textile Reste aus alten Kulturen gelten als Sensation. Eine solche kulturhistorische Sensation haben Spezialistinnen der Studienrichtung Restaurierung und Konservierung von Textilien und Archäologischen Fasern der Fachhochschule Köln vollbracht. Aus zahlreichen Stofffetzen, die aus einem mongolischen Felsgrab stammen, rekonstruierten sie zwei Gewänder der Reiternomaden.
Damit gibt es erstmalig originale Beispiele von Bekleidung aus dem 11. Jahrhundert. Diese gelang Maike Piecuch und Laura Peters, Masterstudentinnen an der Fachhochschule Köln, unter der Leitung von Prof. Dr. Annemarie Stauffer. Aus den vielen Einzelteilen rekonstruierten sie einen einzigartigen Seidenkaftan aus chinesischem Damastgewebe und den ältesten bis heute bekannten Wolldeel, einen Mantel aus Wollfilz. Diese wertvollen Textilien gehören nun zu den Prunkstücken der Ausstellung „Steppenkrieger – Reiternomaden des 7. – 14. Jahrhunderts aus der Mongolei“. Die Ausstellung wird die hohe Kultur der Reiternomaden deutlich machen. Denn die ist bislang in der geschichtlichen Betrachtung erheblich unterschätzt worden.
Die nun gewonnenen neuen Erkenntnisse sind Meilensteine der Kulturgeschichte und in der Erforschung der mongolischen Kultur. „Die Seide wurde in üppigster Weise verarbeitet – der Kaftan besteht vollständig aus Seide“ schwärmte Professorin Annemarie Stauffer. „Das lässt Rückschlüsse auf die hohe Position und den Reichtum seines Besitzers zu und zeigt, dass man einen Zugang zu Handelsgütern und Zugang zu China hatte. Allerdings wissen wir noch nicht auf welchen Wegen der Seidendamast in die Nordmongolei kam“. Denn Damast war damals kein gängiges Handelsgut und nur Chinesen konnten damals Damastseide weben. Der Schnitt macht auf die Leistungen der reiternomadischen Kultur aufmerksam: Dazu nochmals Professorin Stauffer: „Wir wussten, dass die Ärmel der Reitergewänder in unterschiedlicher Weise getragen werden konnten. Erst jetzt wissen wir, wie das Gewand konkret geschneidert war und getragen wurde. Es hat sehr lange Ärmel, durch Schlitze unter den Armen konnten die Arme zum Reiten aus den Ärmeln gezogen und diese mit einem Knopf am Rücken befestigt werden.“
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Beachtliche Schneiderkunst verdeutlicht auch der funktionell geschnittene Wollmantel. Oben liegt er eng an. Unten ist er weit geschnitten und so genäht, dass der Reiter nicht auf den Nähten saß. Seine Beine wurden geschützt und eine Kapuze schützte das Haupt gegen die Unbilden des Wetters. Der Wollmantel zeigt dazu den Schmuck der reiternomadischen Tracht mit einem Dekor aus farblich abgesetztem Filz und kunstvollen Verschlüssen.
Quellen
LVR-LandesMuseum Bonn
Fachhochschule Köln
Bild 1: Der 1000 Jahre alte Wollmantel der Reiternomaden
Foto: J. Vogel/LVR LandesMuseum Bonn
Bild 2: Das Team vor dem prunkvollen 1000 Jahre alten Seidenkaftan.
Von links. : Prof. Dr. Jan Bemmann, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Prof. Dr. phil. Annemarie Stauffer, FH Köln; Dr. Anne Sicken, FH Köln; Dipl.-Rest. Laura Peters, FH Köln; Dipl.-Rest. Angelina Klassen, Dr. Michael Schmauder, LVR-LandesMuseum Bonn
Quelle: http://www.suite101.de/news/ausstellung-steppenkrieger-im-landesmuseum-bonn-a129363

